Der 10.000-Stundentest
… oder eine kleine Geschichte über die Oberflächlichkeit von Verkaufsargumenten Von vielen Hausanbietern wird aufgrund der lobbygesteuerten Gesetzeslage vielfach als einziges Verkaufsargument der U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient) der Bauteile des Hauses angeführt. Dabei unterbieten sich die verschiedenen Hersteller durch dicke Dämmpakete in den Außenwänden und im Dach mit U-Werten im Bereich von 0,15 und kleiner. Zur Kosteneinsparung werden dann die Dämmpakete in Glas- oder Steinwolle ausgeführt, die beidseitig mit Folien eingepackt werden müssen, da ihr Dämmverhalten stark feuchteabhängig ist. Das Resultat für die zukünftigen Bewohner: Willkommen in der Plastiktüte! Eine objektive bauphysikalische und wärmebilanzierende Betrachtung eines Bauteiles oder gar eines ganzen Wohnobjektes erfordert mehr: Erst die Summe aller hier wirkenden Einflüsse im Jahresgang der 12 Monate und der daraus resultierende Gesamt-Heizenergieverbrauch geben Aufschluss über das wahre energetische Verhalten des Baukörpers. Deshalb wurde vor kurzem vom Salzburger Blockhausbau zusammen mit dem Holztechnikum Kuchl ein bemerkenswerter Langzeittest mit drei Versuchsgebäuden abgeschlossen, der im folgenden etwas detaillierter vorgestellt werden soll: Auf einem Freigelände südlich von Salzburg auf 490 m ü. NN wurden im Abstand von 6,5 m drei äußerlich gleiche Gebäude errichtet mit den Außenmaßen 3,5 x 4,7 m = 16,45 m² und einem umbauten Raum von 56 m³ je Objekt. Sie erhielten alle ein 24°-Satteldach, wobei ihre Firsthöhe 3,90 m betrug. Der First war jeweils in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet. Die Raumhöhe der Gebäude lag zwischen 243 und 249 cm. Die Häuser wurden folgendermaßen ausgeführt mit nachstehenden Rechen-Werten:
Die Dach-, Decken- und Fußbodenaufbauten aller drei Objekte hatten identische Werte. Die Dachvorsprünge, die Dachneigung sowie die Anzahl und die Position der Fenster und Türen waren bei jedem Gebäude exakt gleich. Die Häuschen wurden mit Mess- und Steuertechnik bestückt, um eine Bewohnung der Objekte möglichst realistisch zu simulieren (Lüftung und Heizung wurden zeitgesteuert). Über 14 Monate lang wurden Außen- und Raumtemperatur, die Oberflächentemperatur der Wand, die Windrichtung und –geschwindigkeit, die Regenmenge und die Heizlast mit über 4.500 täglichen Messdaten erfasst. Die Auswertung der Messergebnisse nach über 10.000 Stunden zeigen sehr deutlich, dass Theorie und Praxis gerade im Massivholzbau weit auseinander liegen, insbesondere wenn die Energieverbrauchsberechnungen für das Gebäude allein auf den U-Wert der Bauteile abstellen, wie es die Bedarfsrechnungen länderübergreifend verlangen.
Weitere Details zu dieser Thematik finden Sie im Artikel „Wieviel U-Wert braucht der Mensch?“, den Sie sich hier gern herunterladen können: PDF-Datei (294 KB).
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