Styropordämmung als Brandbeschleuniger

 

Styroporplatten werden häufig als Dämmstoff im Neubau und bei der Sanierung eingesetzt: für die Fassadendämmung, für Zwischendecken und für die Dachdämmung. Die Platten sind leicht, einfach zu verarbeiten und versprechen eine hohe Energieeinsparung aufgrund ihrer deklarierten Werte für die Wärmeleitfähigkeit. 

Insbesondere auch Fertighausfirmen bieten hochgedämmte Wandsysteme an (förderfähige Niedrigenergiehäuser!), die oft durch einen hohen Anteil an Styropor gekennzeichnet sind.

 

Hier ein Wandaufbau stellvertretend für viele Hersteller:

Aufbau der Außenwand von innen nach außen:

Gipskarton  –  Installationsebene  –  Folie  –
140 mm Glaswolle  –  OSB-Platte  –  120 mm
Styropor (vom Hersteller als WDVS bezeichnet,
auf Deutsch: Wärmedämmverbundsystem)  –
armierter mineralischer Leichtputz-

Damit wird ein förderfähiger Dämmwert (bzw. U-
Wert) von 0,14  für die Außenwand erreicht!

Wohnhygienischer Wert: Edelschrott!

 

Wie sieht nun die Praxis für Bauherren und Bewohner in mit Styropor hochgedämmten Wohngebäuden aus?  Hier haben sich in den letzten Jahren vielfache Probleme gezeigt, die einer Diskussion wert sind.

Zum einen macht sich bei der Fassadendämmung die fehlende Speicherfähigkeit für solare Einstrahlungen bemerkbar, so dass die Außenwand abends und nachts sehr schnell auskühlt, statt - wie bei einer massiven Holz- oder Ziegelwand gegeben - gespeicherte Energie nach innen und außen abzustrahlen, und damit als natürlicher Wärmepuffer  zu sorgen. Das haben Thermografie-Messungen zu verschiedenen Tageszeiten eindeutig bestätigt.

Zum anderen ist eine mit Styropor oder Mineralwolle gedämmte Fassade, die nur mit einem dünnen Außenputz belegt ist, ein einladendes Objekt für Spechte und andere Vögel, die sich hier einnisten und immense Schäden gerade an unzugänglichen Stellen der Fassade hervorrufen können. Zur Schadensbeseitigung beginnt sich derzeit eine ganz neue Berufsgruppe zu etablieren, da sich die behagliche, wärmende Atmosphäre eines leicht zu „zimmernden“ Nestes in einer Styroporplatte, die hinter einer dünnen Putzschicht verborgen liegt, in der Vogelwelt anscheinend schnell herum gesprochen hat.

Doch viel mehr sollte zu denken geben, dass die bauaufsichtlich zugelassenen Styropordämmsysteme bei Flammeneinwirkung regelrecht als Brandbeschleuniger wirken können, wobei sich der Brand schnell flächenhaft ausbreitet und dabei große Mengen giftiger, schwarzer Rauchgase freisetzt.  Ein Reporterteam des NDR hat diesbezüglich recherchiert und Versuche anstellen lassen, die eigentlich jeden Produzenten und Bauherren warnen sollten, Styropor als Dämmstoff großflächig einzusetzen.

Den vollständigen Bericht  aus SPIEGELONLINE vom 28.11.2011 finden Sie unter:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/styropor-platten-in-fassaden-waermedaemmung-kann-hausbraende-verschlimmern-a-800017.html

Ein massives Holzhaus, mit seine tonnenschweren, speicherfähigen Wänden hingegen hält was es verspricht: es brennt praktisch kaum bzw. es fördert keine Brandausbildung. Massives Holz verkohlt und schützt sich damit vor weiterem Abbrand.

Da bei einem Brand in der äußeren Verkohlungszone des Holzes eine hohe  Wärmedämm-wirkung entsteht, ist mit einem Verlust der Tragfähigkeit erst nach  längerer Brandbelastung zu rechnen. Bereits einen Zentimeter unter seiner unverbrannten Oberfläche bleibt Holz voll tragfähig.

Das deutsche Architektenblatt (April 2001) geht von anfangs 1 mm/min Abbrandgeschwindigkeit aus, die sich nach Entstehen der ersten Holzkohleschicht um 50 % reduziert, d. h. aufgerundet 0,67 mm/min praktischer Abbrand. Der Holzbauatlas nennt eine generelle Abbrandgeschwindigkeit von 0,8 mm/min, was nach einer Zeit von 30 Minuten (bei Vollbrand von 500 – 1100°C) eine Schwächung der Wandstärke von lediglich 2,4 cm zur Folge hätte, und somit der tragfähigen Stärke von 3,4 cm.

Daher sind in der DIN 4102 viele Holzkonstruktionen aufgeführt, die F 30 entsprechen, unter anderem die Massivholz-Blockbauweise. Aus entsprechenden Tabellen lässt sich ermitteln, dass 7 cm starke Massivholzwände geringer Belastung bei einseitigem Brandangriff F 30 übertreffen, und 14 cm starke sogar F 60, d. h. diese Wände halten einer einseitigen Brandbelastung 30 bzw. 60 Minuten stand, ohne ihre Tragfähigkeit zu verlieren.

Werden dann noch für die notwendige  Dämmung in Fußböden, Decken und Dächern natürliche Dämmstoffe eingesetzt, die mit starken Schalungen oder Holzprofilen abgedeckt sind, dann brennt im Blockhaus die Hauskonstruktion zuletzt – die Inneneinrichtung mit  den Gardinen, Teppichen und Möbeln hat dann schon lange „das Zeitliche gesegnet“.

Übrigens werden bei unseren Massivholzhäusern aus ökologischen und den oben genannten Gründen generell Korkschrot, Schafwolle und Holzfaserprodukte als Dämmstoffe eingesetzt, es sei denn der Kunde wünscht ausdrücklich ein anderes Produkt.      

 Hier eine PDF-Version des Berichtes ( 191 KB)

Stand: Dezember 2011
                                                                                                                                                   

 

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